Delivered: Wie der Weihnachtsmann dieses Jahr einen neuen Helfer fand

Irgendwo, in einer kleinen, gemütlichen Holzhütte im tiefsten Nordpol-Schnee, lebt der Weihnachtsmann gemeinsam mit seinen Rentieren. Immer zur Weihnachtszeit belädt er seinen Schlitten mit unvorstellbar vielen Geschenken für die Kinder auf allen Teilen dieser Welt, um ihnen ein fröhliches Weihnachtsfest zu bescheren. Alle Jahre wieder beschenkt der Weihnachtsmann aber auch sich selbst. Denn schon immer war er von moderner Technik begeistert gewesen. Ein richtiger Nerd! Und daher gibt es für Santa immer zu Weihnachten ein neues Gadget, das die Auslieferung der Geschenke optimiert. Mittels Bio-Engineering hatte er bereits vor zwei Jahren alle Rentiere mit längerer Flugzeit ausgerüstet. Einen Zero-Gravity-Technology-Schlittenaufsatz gab es letztes Weihnachten. Dieses Mal wollte er seine Rentiere weiter entlasten – Rudolf beklagte sich schon seit Langem über die steigende Anzahl an Häusern, die er ansteuern musste. Hinzu kamen die weiten Wege an die entlegensten Orte dieser Welt, die häufig durch eisige Windstürme und unzugängliches Terrain führten.
Das konnte der Weihnachtsmann verstehen. Die Schlitten-Flüge zu Bergspitzen und fernen Inseln waren auch für ihn schon immer sehr mühselig und kräfteraubend gewesen. »Wer weiß, ob Rudolf das dieses Jahr noch packt«, fragte sich der Weihnachtsmann und rieb nachdenklich seinen Bart. Denn ausgerechnet in der heutigen Weihnachtsnacht waren heftige Stürme ankündigt. Trotzdem sollten natürlich alle Kinder auch in diesem Jahr ihre Geschenke bekommen! Der Weihnachtsmann grübelte lange, doch kam zu keiner geeigneten Idee. Ihm blieb wohl nichts anderes übrig, als die weit entfernten und schwer zugänglichen Häuser ganz an das Ende der Route zu setzen und zu hoffen, dass ihm bis dahin noch das passende Technik-Utensil einfallen würde.

Es ging also los: Kind um Kind belieferte der Weihnachtsmann, die Rentiere flogen von einem Haus zum anderen. Schnell wurde der Schlitten leerer und die Rentiere müder. Aber den Weihnachtsmann beunruhigten die Gedanken an das aufziehende Unwetter und das fehlende Stück neuer Technik. Noch immer fiel ihm keine geeignete Möglichkeit ein, um die Rentiere vor dem Sturm zu bewahren. Schließlich war das letzte gut erreichbare Haus beliefert und der Weihnachtsmann musste sich eingestehen: Er wusste nicht weiter.

Die Nacht war kalt, der Schnee auf dem Boden glänzte wie ein großer silberner See. Wind und Eisregen peitschen dem Weihnachtsmann ins Gesicht, mehr als einmal musste Rudolf den Schlitten mit knapper Not stabilisieren. Santa zog sich die Mütze ein wenig tiefer ins Gesicht. Da plötzlich stoppte Rudolf. Der Weihnachtsmann wäre fast vorne über seinen Schlitten gefallen, hielt sich in letzter Sekunde aber noch fest. »Seht doch«, rief Rudolf und deutete mit seiner Hufe nach vorne. Einige Meter entfernt schwebte ein rotes Objekt am Himmel – trotz Wind und Schnee hielt es seine stabile Flugbahn bei. »Potzblitz«, dachte der Weihnachtsmann. »Was ist das für ein Schlitten, dass ihm dieser Schneesturm nichts ausmacht?«

Das rote Objekt hatte einen glatten, runden Körper und vier Arme, an denen jeweils ein Rotor befestigt war. An der Seite stand geschrieben: »md4-1000«. Rudolf flog vorsichtig an den Vierarmer heran und beschnupperte ihn neugierig. Da plötzlich machte das Fluggerät eine sanfte Bewegung nach unten und schwebte auf den Boden zu. Rudolf folgte dem Objekt in respektvollem Abstand. Dann sah der Weihnachtsmann in weiter Ferne einen jungen Mann, bekleidet mit einer Baseball-Kappe, stehen. Der Fremde hielt eine Fernsteuerung in der Hand und schien das Fluggerät sicher zu steuern.

»Was machst Du hier?«, fragte der Weihnachtsmann. Der Mann mit der Kappe überlegte, legte den Kopf schräg und antwortete: »Ich probiere meine Microdrone bei extremen Wetterbedingungen aus. Wir haben vor ein paar Jahren damit die Alpen überquert und demnächst ist vielleicht der Himalaya dran. Und Sie? Sie sehen besorgt aus. Haben Sie ein Problem?«

»Ja leider«, sagte der Weihnachtsmann und legte traurig seine Mütze ab. »Wir können einige Häuser nicht mit unserem Schlitten erreichen. Die Kinder, die dort wohnen, müssen dieses Jahr vielleicht ohne Geschenk auskommen.« Der Mann mit dem Käppi strich sich nachdenklich über das Kinn. »Geht es um die Pakete hier hinten auf dem Schlitten?« Er nahm eines der Geschenke prüfend in die Hand. »Ja genau«, antwortete der Weihnachtsmann. »Schade. Jetzt muss ich die ganzen guten Sachen wohl im Internet zum Verkauf einstellen.« »Vielleicht auch nicht«, sagte der Mann. »Meine Microdrone ist unter anderem für den Pakettransport spezialisiert. Das müsste sie schaffen.« Der Weihnachtsmann schüttelte nur den Kopf und sagte: »Unmöglich. Es stürmt, jedes Paket wiegt fast ein ganzes Kilo. Die Häuser sind oft einige Kilometer entfernt. Ihr schönes Fluggerät in allen Ehren, aber…« Da hatte der Mann bereits ein Paket unter die md4-1000 geschnallt und ließ sie abheben. In atemberaubender Geschwindigkeit flog der Quadrocopter in die Höhe und blieb mitten im Sturm punktgenau in der Luft stehen. »Es ist kein Problem«, sagte der Mann und drückte dem Weihnachtsmann vertrauensvoll die Fernsteuerung in die Hand. »Ich zeige Ihnen, wie Sie die Microdrone fliegen. Und wegen der ganz langen Strecken machen Sie sich keine Sorgen: Eine GPS-Programmierung kriegen wir heute noch gemeinsam hin.«

Die md-1000 flog durch dichte Wolken und dünne Luft direkt zu einem Haus, das hoch auf einem Berg stand und ganz eingeschneit war. Der Weihnachtsmann steuerte aufgeregt das kleine Fluggerät mit einem großen Paket direkt auf das schmale Giebeldach, auf dem die Rentiere und der Schlitten nur mühsam hätten landen können... Die Drohne aber ließ das Päckchen ganz einfach durch den Kamin ins Haus plumpsen und surrte wieder davon. Und auch über das große Meer zu all den kleinen Inseln flog die Drohne ohne Probleme. Am Ende waren alle Pakete pünktlich ausgeliefert, jedes Kind auf der Welt freute sich über sein Geschenk.

Auch der Weihnachtsmann war glücklich – so eine Microdrone, da war er sich sicher, durfte in seinem Repertoire nächstes Jahr nicht fehlen.

Und wenn das alles wahr wäre, dann wäre es kein Märchen. Für unsere Kinder und das Kind in uns.

Frohe Weihnachten!